Vor kurzem habe ich im Rahmen der Ausarbeitung eines Social Media Konzepts für einen meiner Kunden ein Jobbörsen-Benchmarking erstellt. Die Fragestellung war: Wie und für was setzen bekannte Jobbörsen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz Social Media ein? Die zusammengefassten Ergebnisse gibt es hier auf englisch.

Bei der Recherche fiel sehr schnell ein interessantes Beispiel aus dem Gesundheits- und Pflegebereich auf – die Facebook-Seite von medicaltopjobs: die Fanzahlen sind hoch, das Engagement auf der Seite hervorragend. Wie lautet das Erfolgsrezept der aktiven Community? Ich habe Frau Ulrike Maier, Geschäftsführerin der Media Consult Maier & Partner GmbH befragt. Hier das Interview:

Frau Maier, Ihre Facebook-Seite hat für eine Nischenbranche, in der deutlicher Fachkräftemangel herrscht, eine sehr große und aktive Fan-Basis. Wie erklären Sie sich den großen Erfolg Ihrer Facebook-Seite?

medicaltopjobs-MaierUlrike Maier: Von Anfang an haben wir Wert darauf gelegt, sehr aktuelle und relevante Beiträge zu posten. Wir haben unsere Community ernst genommen und geschaut: was ist jetzt gerade wichtig, was könnte für sie interessant sein und worauf reagiert unsere Community positiv. Das war natürlich Learning by doing, aber es kam gut an, dass wir Anfragen sofort beantwortet haben und dass die Community gemerkt hat: da stehen Menschen dahinter, die uns wahrnehmen und die sich Mühe geben, eine schöne Facebook Fanpage für uns zu machen. Im Team Tab haben wir dann das Team vorgestellt, die Schwerpunkte der einzelnen Mitglieder erläutert und angegeben zu welchen Fragen sie z. B. Stellung nehmen können.

Sind Mitarbeiter in der Pflege besonders gut über Facebook ansprechbar, weil sie sich dort auch untereinander austauschen können?

Ulrike Maier: Ich denke, ja. Insgesamt haben wir es hier mit einer Community zu tun, die wie kaum eine andere Berufsgruppe auf eine gut funktionierende Kommunikation angewiesen ist: in den Pflegeteams, mit den Patienten, den Stationsleitungen und den Ärzten/innen. Dazu kommt, dass wir es mit einer extrem leistungsfähigen und für unsere Gesellschaft existenziell wichtigen Berufsgruppe zu tun haben, deren Bedeutung aber noch nicht in dem Maß anerkannt wird, wie es angebracht wäre. Das merkt man ganz deutlich, wenn z.B. Gesetzesvorhaben, die keine Verbesserung bringen mit entsprechenden Kommentaren belegt werden oder wenn Pflegekräfte ganz offen darüber sprechen, dass sie bis zur Ausbeutung belastet sind. Dazu wird dann ganz heftig diskutiert. Burn Out und Mobbing sind weitere Themen, zu denen gerne und ausführlich Stellung genommen wird. Aber auch fachliches wird gefragt und beantwortet.

Gibt es eine spezielle (Facebook-) Gruppe für Pflegebedienstete?

Ulrike Maier: Spezielle Untergruppen haben wir nicht eingerichtet. Pflegekräfte und Altenpflegekräfte bilden zwar eine Mehrheit und mit etwa 70% Frauen haben wir auch einen deutlichen Genderschwerpunkt, der ja dann auch die Lebensrealtität in dieser Branche abbildet. Warum wir trotzdem keine Gruppen bilden hat einen ganz einfachen Grund: Wir gehen davon aus, dass die Probleme im Gesundheitswesen übergreifend sind und auch Physiotherapeuten oder Hebammen genau wie die Pflegekräfte von Arbeitsverdichtung und Sparzwängen betroffen sind. Es gibt in deutschen Kliniken immer noch starke Hierarchien und Gefälle, z.B. zwischen Ärzten und Pflegekräften. Wir wollten in einem sozialen Netzwerk keine zusätzlichen Kategorisierungen vornehmen. Jede und jeder mit ernsthaften Absichten ist willkommen und die Zusammensetzung der Community steuert sich letztlich auch selbst. Und Posts von Pflegekräften werden auch von Hebammen oder Altenpflegekräften geliked und kommentiert.

Haben Sie eine Social Media Strategie für Ihre Präsenz entwickelt oder von einer Agentur konzipieren lassen?

Ulrike Maier: Als wir die Page im April 2010 gelaunched haben, hatten wir eine Strategie. Sie bestand aus zwei Punkten: wenn die Page angenommen wird, machen wir weiter, wenn nicht, hören wir auf. Nach einer Woche hatten wir 500 Fans und saßen staunend vor unseren Macs. Wir konnten ja uns nur an amerikanischen Fanpages orientieren denn in Deutschkand waren wir so ziemlich die ersten professionellen Recruiter, die sich auf das Social Media Glatteis gewagt haben. Es gab auch noch nicht wie heute kompetente Social Media – Consultants und Ratgeber. Wir waren zu dem Zeitpunkt allerdings schon privat SocialMedia Junkies so dass wir in etwa einschätzen konnten, was auf uns zu kommt. Trotzdem hatte ich Bauchschmerzen, das gebe ich offen zu. Im Nachhinein sind wir natürlich froh, dass wir uns getraut haben und wenn meine Social Media Consultants etwas wirklich können, dann das: eine Social Media Strategie aufbauen.

Setzen Sie ein bestimmtes Budget für die Facebook-Aktivitäten ein (z.B. zur „Fan“-Generierung, für Gewinnspiele, Job-Postings, Coupons, etc.)?

Ulrike Maier: Ja natürlich, so ganz ohne ein bisschen Promotion geht es auch bei Facebook nicht, zumal die Angebote im Netz immer umfangreicher werden und man etwas für seine Fans tun muss. Wir haben schon in Contests investiert z.B. das „Team des Jahres“ Ende 2011, in Umfragetools und auch in Werbung, z.B. für Jobs oder spezielle Posts. Natürlich haben wir immer die aktuelle Version des Jobstriker in einem Tab. Das ist ein Online-Stellenmarkt, der speziell für Facebook konzipiert wurde (von der Wollmilchsau) und auf dem über eine Schnittstelle alle aktuellen Stellenanzeigen unserer Kunden auf Facebook und weitere soziale Netzwerke verteilt werden können.

Verfolgen Sie eine dedizierte Content-Strategie für Ihre Zielgruppe aus Facebook? Falls ja, können Sie dazu einige Angaben machen?

Ulrike Maier: Ja, natürlich verfolgen wir eine Content-Strategie bei der Qualität und Aktualität. Wir haben am Anfang neidisch auf die Seiten geschaut, die Titel hatten wie: „Schaukeln oder die Welt retten“ mit zigtausend Fans und kaum Inhalten. Wir hätten es uns leichter machen können, haben aber der Versuchung nur Witze oder Bilder zu posten widerstanden. Und unser Konzept, das auf Qualität, Relevanz und Kommunikation setzt, ist ja offensichtlich auch gut angekommen. Wir sind mit der Entwicklung mehr als zufrieden.

Frau Maier, vielen Dank für Ihre Zeit und die interessanten Antworten!