Ich freue mich, heute einen Gastbeitrag von Martin Salwiczek zu präsentieren. Ich finde seinen Ansatz, Bewerber auf die Nutzung von Social Media bei der Jobsuche (und der eigenen Imagepflege) vorzubereiten, sehr gut. Personaler wissen, dass die sozialen Medien gutes Kandidaten-Potenzial bergen – den meisten Bewerbern ist dies jedoch nach wie vor kaum bekannt!

Nun überlasse ich Martin den restlichen Artikelplatz:

In meiner Tätigkeit bei der LVQ Weiterbildung betreue ich Arbeitsuchende in Workshops und Einzelcoachings bei der Jobsuche im Internet. Neben der Erstellung von Online-Bewerbungen und –profilen in gängigen Jobbörsen nimmt Social Media mittlerweile einen großen Teil ein, der von den Teilnehmern gefordert wird. Die Teilnehmerstruktur ist recht heterogen und erstreckt sich vom geisteswissenschaftlichen Berufseinsteiger, über den Naturwissenschaftler, bis zum berufserfahrenen Maschinenbauingenieur. Einige haben bereits ein irgendwann mal lose angelegtes Xing-Profil, die meisten einen Facebook-Account und einige Ausnahmen sogar ein Twitter-Profil. Für den Großteil ist Social Media jedoch im wahrsten Sinne des Wortes ein Fremdwort.

„Ich hab mal vor einiger Zeit ein Xing-Profil angelegt, da hat sich aber nie einer drauf gemeldet“ – diese Aussage steht exemplarisch für die meisten Teilnehmer und deren Verständnis von Social Media. Da viele Teilnehmer zudem datenschutzrechtliche Bedenken (grade im Hinblick auf Facebook) tragen, ist anfangs viel Aufklärungsarbeit nötig. Im Vordergrund steht dabei, das neue Kommunikationsverständnis in Social Media zu vermitteln und „Märkte als Gespräche“ zu begreifen. Spätestens wenn ich den Arbeitsuchenden aufzeige, wie einfach eine Kontaktaufnahme mit einem Entscheider in einem Zielunternehmen über Xing sein kann, wird ihnen das Potenzial sozialer Netzwerke bewusst. Sie beginnen auch den Arbeitsmarkt als Gespräch aufzufassen und sich ihren eigenen Markt, fernab vom öffentlichen zu schaffen. Auf diese Weise werden die Teilnehmer dazu sensibilisiert, ein Stück weit den „verdeckten Stellenmarkt“ zu erschließen und so an Stellen zu kommen, die noch nicht ausgeschrieben oder über „Vitamin B“ vergeben werden.

Xing steht somit auch eindeutig im Fokus meiner Arbeit mit den Teilnehmern. Dies liegt zum einen daran, dass sie Xing und Facebook in beruflich und privat trennen und das auch so beibehalten wollen. Zum anderen aber stoßen Viele bei Xing schon an ihre Grenzen in Social Media, da sie dieses Netzwerk für sich, außerhalb der „Social Media Suppe„, als komplexes Universum wahrnehmen. Die detaillierte Arbeit mit den Teilnehmern in Xing hinsichtlich Informationsbeschaffung, Netzwerkbildung und Personal Branding, hat mir in den letzten zwei Jahren zudem das Potenzial des Netzwerks verdeutlicht (mehr hierzu in meinen Blogbeitrag bei Simone Janson). In diesem Zeitraum konnten wir mehrfach beachtliche Erfolge erzielen und Arbeitsuchende mit Arbeitgebern zusammenbringen. Zum Beispiel bekam ein sehr introvertierter Teilnehmer, der zu den Social Media Skeptikern zu zählen ist, einen Job indem er Spuren durch den Besuch von Xing-Profilen hinterließ, und so von einem Arbeitgeber aufgrund seines Profils kontaktiert wurde (und nach anschließendem Vorstellungsgespräch auch eingestellt wurde). Andere Teilnehmer wiederum wurden tatsächlich von Recruitern angeschrieben, nachdem das Xing-Profil suchmaschinenoptimiert angepasst wurde.

Fazit
„Die Zukunft des Recruiting liegt im Web 2.0“ – dieses Credo hat für mich mittlerweile eine andere Bedeutung gewonnen als es ursprünglich gedacht war. Zielt die Aussage eigentlich auf die Fachkräfte von Morgen, die im „War for Talents“ in den Sozialen Netzwerken abgeholt werden sollen, sehe ich auch atypische Zielgruppen, die sich außerhalb der Social Media Suppe bewegen, im Visier. Sie müssen nur auffindbar sein und selber ein Verständnis dafür gewinnen, wie sie den Dialog mit potenziellen Zielunternehmen in den Sozialen Netzwerken beginnen können, um ihn im Direktkontakt zum Vertragsabschluss zu bringen.

Dafür bedarf es der nötigen Aufklärungsarbeit und Unterstützung. Vor allem die Arbeitsagenturen sind dazu aufgefordert, Social Media in ihr Beratungs- und Schulungsangebot mit aufzunehmen. Arbeitgeber und Arbeitsuchende lassen sich somit zusammenzubringen und laufen nicht mehr aneinander vorbei, wie es ja nach der aktuellen Studie „Deutschlands beste Jobportale“ in den Stellenbörsen geschieht. Zudem sollten die Arbeitgeber darüber nachdenken, ihre Mitarbeiter verstärkt in die Rekrutierungsbemühungen einzubinden. Denn es kann ja mal passieren, dass der Mitarbeiter aus dem Back-Office den neuen Produkt-Manager in einer Xing-Interessengruppe oder über Twitter kennenlernt und an den Personalleiter weiterempfiehlt.

Bio: Martin Salwiczek ist bei der LVQ Weiterbildung GmbH als Projektmanager und Trainer tätig. Zuvor hat er mehrere Jahre im Personalwesen und der Personalberatung gearbeitet und sich auf die Themen Bewerben im Web 2.0 und Personal Branding spezialisiert.