Social Media halten langsam aber sicher Einzug in die Unternehmen. Während die sozialen Netze häufig zur Unterstützung und zum Ausbau der Abteilungen Marketing, PR und Unternehmenskommunikation herangezogen werden, gehen manche Firmen noch einen Schritt weiter und nutzen diese, um sich als Arbeitgeber zu präsentieren und neue Talente auf sich und ihre Jobs aufmerksam zu machen.

In den nächsten Wochen werde ich einige Social Media & Community Manager interviewen und sowohl hier auf deutsch als auch auf meinem Werbe- und Kommunikationsblog auf französisch veröffentlichen. Das Ziel ist, diese neuen Berufe, für die es bisher keine Studien- oder Ausbildungsgänge gab, näher zu beleuchten und zu beschreiben, welche berufliche Möglichkeiten sich darin verbergen.

michele-richner-community-managerHeute kommt Michèle Richner zu Wort, HR Social Media Manager bei der Bâloise Group in Basel.
Auf geht’s:

Bei welchem Arbeitgeber bist Du angestellt?

Michèle Richner: Ich arbeite bei der Bâloise Group am Hauptsitz in Basel. Die Bâloise ist ein europäischer Versicherungskonzern mit 8.800 Mitarbeitenden.

Welches sind Deine Hauptaufgaben?

M. R.: Ich organisiere, schreibe und koordiniere Inhalte für unsere Karriereseite und das Social Web – betreue die Präsenzen auch operativ – bin also als Community Manager tätig. Angefangen von Facebook bis hin zu Pinterest oder YouTube ist alles mit dabei. Die strategische Weiterentwicklung der aktuellen Onlinekommunikation und die Mitarbeit in übergreifenden Projekten gehören auch zu meinen Aufgaben. Zusätzlich unterstütze ich verschiedene Stellen im Unternehmen bei Fragen zu Social Media und führe regelmässige Informationsveranstaltungen durch.

Welche Ausbildung hast Du gemacht, um Community Manager zu werden?

M. R.: Ich habe Betriebswirtschaft an der Fachhochschule studiert mit Studienschwerpunkt Corporate Communication. Anschliessend habe ich ein Certificate of Advanced Studies zum Digital Publisher / Social Media Producer gemacht. Explizit für CM habe ich keine Ausbildung absolviert. Das wichtigste meiner Meinung nach ist, dass man selber sehr aktiv ist auf Social Media und ein Gespür für die Form der Kommunikation entwickelt. Das kann man in keiner Schule lernen.

Was macht Dir am meisten Spaß bei Deiner Arbeit als Community Manager?

M. R.: Am meisten Spass macht es mir, wenn ein Inhalt bei der Community gut ankommt und diskutiert wird – oder wenn ich ein Problem lösen kann und die Person danach zufrieden ist. Dann habe ich mein Ziel erreicht. Mein Job ist nie jeden Tag gleich, mal drehe ich ein Video, mal schiesse ich Fotos, mal schreibe ich selber einen Artikel. Das schätze ich sehr!

Wie wird Deine Arbeit bzw der Erfolg Deiner Arbeit gemessen?

M. R.: Das übergreifende Ziel ist, unsere Arbeitgebermarke zu stärken und uns bekannter zu machen. Dieses Ziel wird jedoch von vielen Faktoren beeinflusst, was es schwierig macht, eindeutige Indikatoren für den Erfolg des Community Managements zu definieren. Mein Hauptziel ist, durch unsere Inhalte die Zielgruppen der Baloise zu erreichen, sie zur Interaktion zu bewegen und im Idealfall Bewerbungen zu generieren. Diese Ziele sind aber auch nur beschränkt messbar, denn nicht jeder gibt z.B. als Quelle der Bewerbung Social Media an, obwohl vielleicht dies ausschlaggebend war.

Worin liegt die Zukunft des Community Managements?
M. R.: Das Kernstück des Community Managements wird sich nicht ändern, nämlich aktiv Zuhören und mit Menschen kommunizieren. Das bleibt gleich. Jedoch wird der Stellenwert steigen, denn dieser Aspekt wird für die Unternehmenskommunikation immer wichtiger. Deshalb wird es in Zukunft wohl mehr und vor allem professioneller gemacht werden.

Wie sieht Deiner Meinung nach die weitere Entwicklung des Aufgabenumfelds im Community Management aus?

M. R.: Ich glaube, dass in Zukunft das Community Management viel mehr integraler Teil der Unternehmenskommunikation wird. Heute spricht man noch von Social Media Manager oder Community Manager. Da soziale Medien bereits heute Teil der ganz normalen Mediennutzung einer grossen Bevölkerungsmasse geworden sind, werden sich die Aufgaben vermischen. Denn man wird nicht mehr „klassische“ und „neue“ Medien unterscheiden. Social Media wird einfach ein weiteres Instrument der Unternehmenskommunikation. Hier sehe ich in Zukunft vor allem die Generation Z am Zuge, denn dies ist die erste Generation die von Kleinkindalter mit sozialen Medien in Berührung gekommen ist.

Bezüglich Deiner Verantwortung, die Du im Rahmen Deiner Arbeit übernimmst: wer kümmert sich um was – die globale Verantwortung, Inhalt, interne/externe Unternehmenskommunikation, rechtliche Fragen, Strategie?

M. R.: Ich arbeite eng mit verschiedenen Anspruchsgruppen zusammen. Der Inhalt wird mit der Kommunikation und der betreffenden Abteilung im Unternehmen abgesprochen. Bei rechtlichen Angelegenheiten haben wir eine Ansprechsperson im Bereich Steuern & Recht. Schlussendlich liegt aber die inhaltliche und strategische Verantwortung bei uns im Team Employer Branding & Recruiting.

Vielen Dank für das Interview und Deine interessanten Antworten, Michèle!