Die Leser meiner Recruitingblogs kennen meine Skepsis gegenüber Arbeitgeberbewertungsportalen, und ich werde trotz allem noch weiterhin kritisch und skeptisch bleiben.

Dennoch erreichte mich heute die Nachricht, dass XING seine Stellenanzeigen erweitert und automatisch die für das rekrutierende Unternehmen existierenden kununu-Bewertungen unter den Anzeigentext packt. Und das hat mich zum Weiterdenken in Sachen „Transparenz“, „Authentizät“, etc. – also all die schönen Social-Media-Guru-Wörter, die ich sonst lieber vermeide – gebracht.

Eines ist klar: so manchem Unternehmen wird die neue Anzeigenart nicht gefallen und sie wird für einigen Wirbel sorgen. Gut so.

Ich habe die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und XING gleich mal drei Fragen zum Thema gestellt. Hier die Fragen und Antworten:

Was raten Sie Unternehmen, deren Arbeitgeberbewertungen auf kununu mittelmäßig oder schlecht sind? Ist die erweiterte XING-Stellenanzeige in dem Fall nicht eher ein „Fluch“ für die Firma als ein „Segen“?

XING: Unternehmen können sich in Zeiten grassierenden Fachkräftemangels nicht länger erlauben, die Meinungen ihrer Mitarbeiter für einen Fluch zu halten. Leider glauben viele Firmen nach wie vor, dass es ausreicht, viel Geld in eine Karriereseite oder Broschüre zu stecken, um sich als guter Arbeitgeber darzustellen. Wir glauben, das reicht nicht, um die besten Fachkräfte von sich zu überzeugen. Diese Sicht bestätigt auch eine aktuelle Umfrage unter 532 Angestellten im deutschsprachigen Raum. Dort zeigt sich, dass neun von zehn (90 Prozent) Arbeitnehmer bei der Jobsuche Informationen und Meinungen von Mitarbeitern wertvoller finden als die von offiziellen Karriereseiten der Unternehmen. Und dank Social Media hat man heute Kontakt zu viel mehr Personen und Insidern als in der Vergangenheit. Unternehmen müssen sich dem stellen und ihre Mitarbeiter als Teil einer modernen Employer-Branding-Strategie für sich nutzen. Und ganz ehrlich: Wenn ein Arbeitgeber viele schlechte Bewertungen bekommt, ist das natürlich ein klares Indiz dafür, dass etwas getan werden muss – Augen verschließen vor der Wahrheit hilft nicht weiter.

Ist die neue, erweiterte Stellenanzeige Standard für alle zukünftigen Veröffentlichungen oder können Unternehmen auf diese Erweiterung auf Wunsch verzichten? Wird ein Anzeigenaufpreis dafür berechnet?

XING: Die neuen Features werden ab Ende Juli in allen Stellenanzeigentypen automatisch eingebunden. Lediglich in Anzeigen von Unternehmen, die für Dritte rekrutieren (bspw. Personalagenturen) werden keine Arbeitgeberbewertungen angezeigt. Die Preise für die XING Jobs Anzeigentypen LOGO und DESIGN mit einmonatiger Laufzeit bleiben trotz der Erweiterungen gleich. Für die XING Jobs Textanzeige, wird der Preis pro Klick um 6 Cent auf 85 Cent angepasst.

In den XING-Profilen werden Bewerber eingeladen, eine Firma auf kununu zu bewerten – werden diese Daten zurückverfolgt, sprich: wissen kununu und XING von welchem Bewerberprofil die jeweilige Bewertung stammt?

XING: Grundsätzlich werden alle Bewertungen – von Mitarbeitern, Bewerbern wie Auszubildenden – anonymisiert veröffentlicht. Um eine Bewertung abzugeben, ist jedoch eine vorherige Anmeldung erforderlich. Der Nutzer hat die Wahl, seine eigene Emailadresse zur Registrierung zu nutzen oder einfach per XING-Login direkt zu starten. Warum ist das nötig? Eine Registrierung gibt dem Nutzer nach Veröffentlichung der Bewertung die Chance, diese im Nachhinein selbst noch zu ändern oder auch gänzlich zu entfernen. Zudem dient sie auch als Sicherheitsmaßnahme. So erfolgt etwa im Falle eines Verstoßes gegen die kununu Bewertungsregeln – etwa durch Verunglimpfung eines Unternehmens oder seiner Mitarbeiter – eine Benachrichtigung des Users per Email. So bleibt die Summe der Bewertungen so aussagekräftig, authentisch und fair wie möglich. Außerdem wird so sichergestellt, dass bei der Registrierung keine automatisch generierten Fake-Nutzer angemeldet werden, die Bewertungen manipulieren könnten.

Vielen Dank!

Damit werden kununu und das Konzept der Arbeitgeberbewertung gleich interessanter. Natürlich wird es weiterhin Jobsuchende geben, die ihren Frust an einem Arbeitgeber auslassen und damit ein positives Bild verzerren können. Das gibt es bei Hotelbewertungen allerdings auch, wobei z.B. bei Booking.com ausschließlich echte Hotelgäste Bewertungen abgeben können. Bei Tripadvisor sieht es dann wiederum anders aus, da kann jeder Nutzer seinen Senf abgeben.

Aber vielleicht wird damit nun doch etwas am deutsch-sprachigen Arbeitgeber-Bewerber-Verhältnis in Bewegung gebracht. Es müsste eben einfach mehr Bewertungen auf kununu pro Unternehmen geben. Dann halte ich das alles für aussagekräftig, „transparent“ und tatsächlich relevant.

Was meinen die Arbeitgeber zu diesem Thema?
Und Bewerber?