Blogger Relations sind vom Wortstamm her eng mit „Public, Media und Press Relations“ – also der Öffentlichkeitsarbeit im weiteren Sinne verbunden. Dennoch kann man Blogger Relations nicht mit den traditionellen Public oder Press Relations gleichsetzen. Der Ansatz, Blogger Relations eher als Teil des Community Management zu verstehen, erscheint mir dank meiner gemachter Erfahrungen sinnvoller:

Ich bin schon seit geraumer Zeit als Bloggerin aktiv. Im Jahre 2006 startete ich meinen privaten Blog, um über das Leben in Frankreich (Lyon) aus Sicht einer Deutschen zu berichten. Ein Jahr später, vor ziemlich genau sechs Jahren, habe ich dann Online-Recruiting.net gelauncht, um die internationale E-Recruiting Szene zu beleuchten und zu kommentieren.

In Online-Recruiting.net investiere ich am meisten Zeit, auch wenn ich noch einige weitere Online-Recruiting.net Blogs inhaltlich kuratiere. Aber auf dem Online-Recruiting.net Hauptblog befindet sich der Großteil meiner (Analyse- und Reflektions-) Arbeit zum Thema Jobbörsen, Stellenanzeigen, Recruiting und Strategie.

Rund um Online-Recruiting.net hat sich über die vergangenen Jahre eine höchst interessante, interessierte und spezialisierte Community entwickelt: vom internen und externen Recruiter über Betreiber und Manager aller möglicher Jobbörsen, Berater und Vertriebler aus der HR-Dienstleistungsbranche, Mitarbeiter und Geschäftsführer vieler (HR-) Kommunikations- bzw. Werbeagenturen und seit dem Aufkommen der sozialen Netze immer mehr Social Media Berater und Personalmarketer. Selbstverständlich verirrt sich regelmäßig auch der eine und andere SEO-Spezialist bei seiner Suche nach tollen Links auf meine Seiten. Meine Blogs sind jedoch nicht für alles zu haben – meine Auswahl ist sehr strikt.

Ein Blog stellt normalerweise die subjektive Sichtweise des Bloggers dar und bezieht sich auf eine mehr oder minder objektive Information, auf eine eigene Beobachtung oder auf eine selbst entwickelte Idee. Damit steht ein Blogpost für einen „engagierten“ Beitrag zu einem Ereignis, welches das Interesse des Bloggers geweckt hat. Die Lust zu reagieren oder gar zu agieren motiviert den Blogger, in die Tasten zu hauen und sich auszudrücken – auf seine Weise.

Das Web 2.0 hat die Kommunikation „demokratisiert“, den rein objektiven und uneigennützigen Journalismus (hat er tatsächlich jemals existiert?) gibt es nicht mehr. Aber das soll hier nicht thematisiert werden.

Logischerweise möchte der BLOGGER (ja, in Großbuchstaben) auch nicht wie ein Journalist oder ein Presservertreter behandelt werden. Die „Pressearbeit“ mit und in Bezug auf Blogger muss neu gedacht werden. Es müssen wirkliche Blogger Relations entstehen, keine Press Relations.

strasbourg-diner-empiresteakbuilding-clemenceauJeden Tag erhalte ich mehrere E-Mails mit mal mehr und mal weniger interessanten Pressemitteilungen, Informationen oder Studienergebnissen. Drei Viertel davon landen direkt im virtuellen Mülleimer (sorry!). Den Rest werde ich bei Gelegenheit (Zeitmangel gehört leider mit zum Berufsbild des Bloggers) kurz scannen und dann entscheiden, ob der Inhalt für mich und vor allem für meine Leser relevant ist. Ja klar, ich denke an meine Leser, das ist eine ganz eigenständige „Community“, ich kenne sie und ihre Lese-Interessen wie meine Westentasche, immerhin betreue und bediene ich sie seit sechs Jahren. Ich weiß, was sie mögen, welche Inhalte sie gerne lesen, auf welche Artikel am meisten geklickt werden wird. Ich kann sogar erahnen, wann sie schmunzelnd hinter ihren großen, kleinen oder mobilen Bildschirmen sitzen werden (z.B. jetzt ^^).

Manchmal bloggen wir Blogger unangenehme Wahrheiten. Da kann es dann schon vorkommen, dass das wir einen Anruf von den Marketing-/ oder PR-Verantwortlichen des jeweiligen Unternehmens erhalten. Das häufig verfolgte Ziel dieser Telefonate ist es, dem Schreiberling die „korrekten Infos“ zu geben, sprich: es wird versucht, die Meinung des Bloggers und damit den oder die Inhalte des betreffenden Blogbeitrags zu ändern. Das kann ich nachvollziehen. Es ist nie einfach, Meinungen zu lesen, die womöglich genau den Finger in die Wunde legen, die man so schön zugepflastert hatte.

Zum Glück ist die Mehrzahl des bloggenden Volkes durchaus in der Lage, seine Meinung zu einem Thema zu ändern – auf französisch gebraucht man gerne die Redewendung „Nur Dumme ändern nie ihre Meinung“. Jedoch tun Blogger das ausschließlich dann und freilwillig, wenn die Argumente überzeugend, korrekt und für die Inhalte relevant sind.

Was ich damit sagen möchte ist, dass es wichtig ist, auf die Form beim Umgang und der Kommunikation mit Blog-Kreativen zu achten. Ein Anruf, der mit den Worten „Warum haben Sie uns nicht kontaktiert, bevor Sie das geschrieben haben“ beginnt, wird einen Blogger (aber wahrscheinlich auch jeden anderen normalen Menschen) kaum motivieren, irgendetwas zu tun. Was zu viel besseren Ergebnissen führen wird, sind Anrufe, bei denen dem Schreibenden tatsächlich (!) interessante oder gar exklusive Zusatzinformationen angeboten werden. Noch besser sind sogar exklusive VORAB-Informationen – gerne auch mit PR-Embargo, kein Problem. Das Lustige ist ja: je mehr Hintergrund- und vertrauliche Informationen der Blogger erhält, umso weniger wird er diese in der Öffentlichkeit ungewollt breittreten, wenn er entsprechend darum gebeten oder darauf hingewisen wird. Jedenfalls ist dies bei mir der Fall, das ist mein Blogger-Ehrenkodex, und ich bin damit bestimmt nicht alleine.

Blogger Relations funktionieren anders als Press oder Public Relations. Irgendwelche Aufmerksamkeiten oder Geschenke zu erhalten ist nicht unser Ding – kein Blogger möchte gekauft werden. Selbst die geschalteten Werbebanner auf meinen Blogs halten mich nicht davon ab, Kritik gegenüber den Inserenten zu äußern – alles schon passiert. Aber Blogger und Marken können ihre „Relations“ dank eines ständigen Dialogs weiter vorantreiben und ausbauen. Beide Seiten haben viel zu lernen – niemand hat die Weisheit mit Löffeln konsumiert. So kann ein Blogger lernen, seinen Schreibstil anzupassen, sodass die Kritik an oder Skepsis gegenüber einem Produkt nicht ganz so hart klingt. Die Marken werden wiederum feststellen, dass ihnen die Blogger nichts Böses wollen – immerhin schreiben sie über eine Marke, beschäftigen sich damit und sind dadurch involviert.

Hin und wieder bekommen Blogger auch mal eine tolle, exklusive „Story“ (oder ein Interview, das keines ist – auch schon passiert…) angeboten. Die Entscheidung, ob diese tolle Geschichte wirklich erwähnenswert ist, liegt im Auge des betrachtenden Bloggers. Also bitte nicht sauer sein, wenn das Angebot beim Autor keinen Gefallen findet.
Eine gute Idee für Blogger (!) Relations sind übrigens auch ein Blogger-Frühstück, -Lunch oder -Dinner. Das muss auch gar nicht einer „mordsgeilen Location“ von statten gehen. Dann aber bitte, liebe Marken, verschont uns mit hochtrabenden Studienergebnissen oder Produktpräsentationen. Dann doch lieber ein Riesen-Brainstorming-Event, bei dem man in lockerer Runde über eine Produktidee mit Gleichgesinnten fachsimpeln kann. Dann haben Sie alles aus erster Hand und direkt vor Ort: Kommentare, (nicht gebloggte!) Kritik, Verbesserungsvorschläge und eventuell sogar Lob! Ist doch cool, oder?

Fazit: Die Disziplin „Blogger Relations“ ist noch am Entstehen und muss sich weiter entwickeln – positive Blogger-Relations-Erfahrungen sind hierzulande leider noch eher selten. Die besten Erfahrungen habe ich zum Beispiel bisher mit PR- und Kommunikationsprofis aus den USA und Großbritannien gemacht. Aber auch wir Blogger müssen uns ein offenes Ohr gegenüber den Marken bewahren und geduldig sein – schließlich kommen wir alle nur dann vorwärts, wenn wir in die gleiche Richtung schauen und gehen.